<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="yes"?><oembed><version><![CDATA[1.0]]></version><provider_name><![CDATA[CO-OP NEWS]]></provider_name><provider_url><![CDATA[https://cooptv.wordpress.com]]></provider_url><author_name><![CDATA[Coop Anti-War Cafe Berlin]]></author_name><author_url><![CDATA[https://cooptv.wordpress.com/author/zeitgeistmusic/]]></author_url><title><![CDATA[Präsidentschaftswahlen in Venezuela &#8211; von Dario&nbsp;Azzellini]]></title><type><![CDATA[link]]></type><html><![CDATA[<p>Gemäß des zweiten offiziellen Bulletins vom Nationalen Wahlrat in Venezuela<br />
ging Präsident Nicolás Maduro als klarer Sieger der Präsidentschaftswahlen<br />
hervor. Er erhielt mit 67,76% der Stimmen und einer Wahlbeteiligung zwischen<br />
46,02% (bei 98,7% ausgezählten Stimmen). Maduro erhielt 6.190.612 Stimmen.<br />
Der wichtigste Oppositionskandidat Henri Falcón kam auf 21,02% (1. 917.036<br />
Stimmen), der evangelikale Oppositionskandidat Javier Bertucci auf 988.761<br />
Stimmen (10,82%) und der Kandidat der linken trotzkistischen Opposition<br />
Reinaldo Quijada erhielt 36.246 Stimmen (0,39%).</p>
<p>Die Durchführung von Präsidentschaftswahlen mitten in der verheerenden<br />
wirtschaftlichen und sozialen Situation, und unter dem Druck internationaler<br />
Drohungen und Zwänge, ist bereits ein Erfolg für Venezuela.</p>
<p>Und angesichts der internationalen Medienpropaganda ist auch Folgendes<br />
klarzustellen:</p>
<p>&#8211; Der Wahlprozess ist ein Ergebnis von, und wurde so durchgeführt wir vor<br />
einigen Monaten zwischen der Regierung und der Opposition in der<br />
Dominikanischen Republik verhandelt. Es wurde   &#8222;&gt;ein Abkommen<br />
ausgehandelte, unter das &#8211; nach Druck und / oder Zusagen aus den USA &#8211; die<br />
Opposition plötzlich am Tag der Unterzeichnung die Unterschrift verweigerte.</p>
<p>&#8211; Das venezolanische Wahlsystem ist sehr sicher und zuverlässig. Die<br />
elektronische Stimmabgabe wird mit einem ausgedruckten Wahlzettel bestätigt<br />
und die Ergebnisse der elektronischen Zählung können durch Zählen der<br />
ausgedruckten Stimmzettel geprüft werden. &#8222;&gt;Maduro kündigte am Sonntagabend<br />
an, dass 100% der Stimmen manuell nachgezählt werden.</p>
<p>&#8211; Es ist falsch, dass Venezuela keine internationalen Beobachter zugelassen<br />
hat. Venezuela hat die Vereinten Nationen und die Europäische Union<br />
aufgefordert, Beobachter zu entsenden. Beide haben es abgelehnt. &#8222;&gt;Es waren<br />
mehrere hundert internationale Beobachter*innen in Venezuela, einschließlich<br />
des ehemaligen Präsidenten des spanischen Staates, Zapatero, der sicherlich<br />
kein Freund der Regierung oder des Prozesses ist.</p>
<p>Die Oppositionskandidaten Falcón und Bertucci haben sofort erklärt, das<br />
Wahlergebnis nicht anzuerkennen. Das ist keine Überraschung. Nach allen<br />
Wahlen in den letzten zwei Jahrzehnten weigerte sich die Opposition, die<br />
Ergebnisse jedes Mal anzuerkennen, wenn sie die Wahlen verlor. Falcón<br />
berichtete von 900 angeblichen Fällen von Unregelmäßigkeiten bei der Wahl.<br />
Die Mehrheit bezieht sich auf die so genannten roten Punkte, Stände von<br />
Parteiaktivisten, um Bürger zur Wahlbeteiligung zu mobilisieren. Der Vorwurf<br />
ist ziemlich schwach, um nicht zu sagen absurd, da die Abstimmung geheim ist<br />
und es keine Möglichkeit gibt, herauszufinden, für wen die Wähler gestimmt<br />
haben. Abgesehen davon, dass diese Mobilisierungsstrategie in den letzten<br />
zwei Jahrzehnten sowohl auf der Chavista-Seite als auch von der Opposition<br />
genutzt wurde. Nach den Berichten von Beobachter*innen befanden sich die<br />
Roten Punkte – so wie es das Gesetz vorsieht &#8211; mindestens 200 Meter von den<br />
Wahllokalen entfernt.</p>
<p>Die Opposition litt deutlich unter den Boykottaufrufen des rechtesten und<br />
extremistischsten Flügels. Dies obwohl sich in den letzten Monaten immer<br />
mehr Oppositionsführer auf die Seite Falcóns geschlagen hatten. Bei den<br />
Präsidentschaftswahlen 2013 lag die Wahlbeteiligung noch bei 79,68%.<br />
Tatsächlich bildeten sich in den ärmeren urbanen Gebieten und in den<br />
ländlichen Gemeinden lange Schlangen vor den Wahllokalen, ähnlich wie bei<br />
früheren Wahlen, während in den Stadtteilen de Ober- und Mittelschicht eher<br />
wenig Andrang herrschte. Doch hätte die Wahlbeteiligung auch 20% höher<br />
gelegen – 4 Millionen Stimmen mehr – und hätten diese alle für Falcón<br />
gestimmt (was völlig unrealistisch ist), wäre der Sieger immer noch Maduro<br />
gewesen.</p>
<p>Die überwiegende Mehrheit der Basisaktivisten, die ich in Venezuela kenne,<br />
stimmte für Maduro, obwohl sie starke Kritik an der Regierungspolitik haben<br />
oder sogar vehemente starken Konflikte (wie der Gemeinde El Maizal) mit ihr<br />
austragen. Wer das Wahlergebnis disqualifiziert, wer es nicht versteht,<br />
versteht Venezuela nicht. Mit all den Fehlern und Irrwegen, die die<br />
Maduro-Regierung begangen hat, sehen die meisten Menschen an der Basis im<br />
Fortbestand dieser Regierung die einzige Möglichkeit, weiter kämpfen und<br />
ihre Projekte von unten aufbauen zu können. Ja, sie müssen hart kämpfen<br />
und geraten in schwere Konflikte mit den Institutionen und mit der<br />
Bürokratie, sie sind desillusioniert von der Korruption in vielen<br />
Institutionen &#8230; aber sie können weiterhin kämpfen und sie können ihre<br />
Projekte von unten aufbauen. &#8222;&gt;Mit jeder anderen von den Oppositionskräften<br />
gebildeten Regierung würde diese Möglichkeit verschwinden.</p>
<p><strong>Was jetzt?</strong></p>
<p>Die internationale Rechte, die USA und die EU werden die Angriffe und<br />
Sanktionen verstärken. Und obwohl Maduros Wahlsieg ein wichtiger politischer<br />
Sieg auf nationaler und internationaler Ebene ist, wird er Venezuelas<br />
Probleme nicht lösen. Venezuela erlebt zweifellos seine schlimmste Krise der<br />
vergangenen Jahrzehnte. Die Inflation ist dramatisch, es gibt ernste<br />
Schwierigkeiten, notwendige Medikamente zu bekommen und Lebensmittel zu<br />
kaufen, viele arme Menschen müssen in langen Schlangen stehen, an<br />
verschiedenen Orten suchen und hohe Preise an Spekulanten zahlen (außer sie<br />
leben im Osten von Caracas, Lechería und anderen Vierteln der oberen<br />
Mittelschicht und Oberschicht, wo alles zu finden ist). Viele<br />
Venezolaner*innen verlassen das Land auf der Suche nach besseren Bedingungen.<br />
Es ist unbestreitbar, dass die Regierung in ihrer Finanz- und<br />
Wirtschaftspolitik schwerwiegende Fehler begangen hat und auch<br />
mitverantwortlich für die Situation im Land ist. Es gibt kein<br />
sozialistisches Projekt mehr. Die zentrale Rolle des Öls hat die<br />
bürokratischen, zentralistischen, klientelistischen und korrupten Strukturen<br />
der Vergangenheit reproduziert. Dem bolivarianischen Venezuela ist es nicht<br />
gelungen, dieses Phänomen zu vermeiden. Außerdem fehlt es an Klarheit über<br />
die Maßnahmen der Regierung (etwas, das Chávez immer sehr gut kommunizieren<br />
konnte). Auf Seiten der Basis herrscht Misstrauen, inwieweit die Regierung<br />
weiß, wie sie Krise lindern oder lösen soll. Korruption bleibt ein großes<br />
Problem und der Autoritarismus hat zugenommen. Es gibt viele – auch offene<br />
– Kritiken an der Politik der Regierung aus der Basis und auch aus der PSUV<br />
selbst, und noch viel mehr von anderen Parteien, die die Regierung<br />
unterstützen. Die Krise hat einen Großteil des sozialen Fortschritts<br />
zerstört. Die Ungleichheit hat massiv zugenommen. Es gibt eine<br />
besorgniserregende Öffnung zum internationalen Kapital.</p>
<p>In der venezolanischen Regierung (oder vielleicht sogar wieder mehr als<br />
zuvor) ein Kampf zwischen verschiedenen Mächten. Das ist besonders<br />
bezüglich der Landarbeiter*innen deutlich geworden. Während des letzten<br />
Jahres und insbesondere während der vergangenen Monate wurden mehrere<br />
Landbesetzungen von Bauernbewegungen und auch Ländereien, die<br />
Bauernbewegungen legal zugeteilt wurden, von lokalen und regionalen<br />
Polizeibeamten angegriffen und geräumt. Die Polizisten wurden teilweise von<br />
lokalen und regionalen Institutionen und Richter*innen gedeckt und handelten<br />
im Interesse von Großgrundbesitzer*innen. Am 10. April ging Maduro endlich<br />
auf die Forderungen der Bauernbewegungen ein. Er bat die nationale<br />
konstituierende Versammlung, eine Untersuchung einzuleiten und über die<br />
Zwangsräumungen zu informieren, die die Bauernbewegungen in den letzten<br />
Monaten erlebten. &#8222;&gt;Gleichzeitig verbot Räumungen von Ländereien unter der<br />
Kontrolle von  Bauernbewegungen und warnte davor, dass &#8222;derjenige, der eine<br />
Zwangsräumung durchführt, mit der vollen Härte der Gesetzes zu rechnen<br />
habe&#8220;. Maduro übergab auch 44.000 Hektar Land an Bauernbewegungen.</p>
<p>Der Aufbau des Sozialismus ist ein langer Prozess von unten, in dem es<br />
notwendig ist, Institutionen dazu zu zwingen, auf Volkskämpfe zu reagieren<br />
und mitzuhalten.</p>
<p>Trotz der aktuellen Krise durch den Zusammenbruch der Ölpreise, der<br />
internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Einkreisung Venezuelas, den<br />
gewalttätigen Angriffen der Opposition, dem Wirtschaftskrieg der<br />
Privatunternehmer, Mafias und Finanzinstitutionen, und auch der Fehler der<br />
Regierung in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht, gibt es immer noch<br />
ein breites Geflecht alternativer, popularer Projekte, die wir nicht aus den<br />
Augen verlieren dürfen, denn dort entsteht das neue Venezuela. Und es ist<br />
dieses Venezuela, das verteidigt werden muss, weil es das Venezuela ist, das<br />
zerstört werden soll, weil es eine Quelle der Hoffnung ist. Es zeugt von der<br />
Möglichkeit, dass eine andere Welt notwendig und möglich ist.</p>
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