<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="yes"?><oembed><version><![CDATA[1.0]]></version><provider_name><![CDATA[CO-OP NEWS]]></provider_name><provider_url><![CDATA[https://cooptv.wordpress.com]]></provider_url><author_name><![CDATA[Coop Anti-War Cafe Berlin]]></author_name><author_url><![CDATA[https://cooptv.wordpress.com/author/zeitgeistmusic/]]></author_url><title><![CDATA[Welches Haus für Belarus? &#8211; von Harald Neuber&nbsp;(heise.de)]]></title><type><![CDATA[link]]></type><html><![CDATA[
<p><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.heise.de/tp/features/Welches-Haus-fuer-Belarus-4874484.html" target="_blank">https://www.heise.de/tp/features/Welches-Haus-fuer-Belarus-4874484.html</a><br></p>



<p>Droht das Land im neuen Kalten Krieg zerrieben zu werden? Und welche Perspektiven hätten es bei einer Zuwendung zum Westen? Ein Vergleich</p>



<p>Der massive Widerstand gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug in Belarus hat nun auch diejenigen westlichen Akteure auf den Plan gerufen, die sich bereits in der Ukraine und Georgien für einen Regime-Change eingesetzt haben. Die Proteste drohen damit vor dem Hintergrund des neuen Ost-West-Konfliktes von pro-europäischen Kräften vereinnahmt zu werden, während&nbsp;<a href="https://www.spiegel.de/politik/ausland/belarus-wladimir-putin-warnt-vor-auslaendischer-einmischung-a-f669e46b-9eff-48bc-96bf-a22031d84e41" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Russland erwartungsgemäß dagegenhält</a>.</p>



<p>So kam, während EU-Außenminister am Mittwoch dieser Woche in Brüssel eine gemeinsame Linie gegenüber der Führung von Präsident Alexander Lukaschenko&nbsp;<a href="https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-08/eu-gipfel-belarus-praesidentschaftswahl-alexander-lukaschenko" target="_blank" rel="noreferrer noopener">berieten</a>, der französische Aktivist und Publizist Bernard-Henri Lévy in Wilna mit der belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja zusammen &#8211; &#8222;dem Gesicht der Opposition gegen den Tyrannen Lukaschenko&#8220;, wie er auf Twitter&nbsp;<a href="https://twitter.com/BHL/status/1296117234545438721" target="_blank" rel="noreferrer noopener">schrieb</a>. Nun ist Lévy nicht irgendwer: Der Meinungsmacher und Anteilseigner der Tageszeitung &#8222;Liberatión&#8220; ist ein glühender Verfechter sogenannter Farbenrevolutionen in Osteuropa.</p>



<p>2008 schon&nbsp;<a href="https://www.derstandard.at/story/3286311/ein-plaedoyer-fuer-die-strategie-des-mutes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">forderte</a>&nbsp;Lévy in einem offenen Brief an Angela Merkel und den damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy die Aufnahme Georgiens und der Ukraine in die Nato. Auf dem Höhepunkt der Maidan-Revolte in der Ukraine 2014 dann plädierte er in einem weiteren&nbsp;<a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/bernard-henri-levy-auf-dem-majdan-europa-muss-euch-helfen-12829745.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aufruf</a>&nbsp;für die Unterstützung des Aufstandes durch die EU. Die Tugenden des Widerstands, die den Geist Europas ausmachten und die General de Gaulle geführt hätten, &#8222;diese Tugenden habt ihr in diesen blutigen Tagen mit Leben erfüllt&#8220;, schrieb er damals in dem Text, der in deutscher Übersetzung in der FAZ erschien: &#8222;Ich verneige mich vor eurem Mut und sage euch noch freudiger als zuvor: Willkommen in unserem gemeinsamen Haus!&#8220;</p>



<p><strong>Beispiel Ukraine<br></strong>So weit, so gut. Doch welches Zimmer haben die Ukrainer in diesem Haus bezogen? Gut sechs Jahre nach dem &#8222;Euromaidan&#8220; ist die Ukraine ein von&nbsp;<a href="https://ukraine-nachrichten.de/vier-gr%C3%BCnde-poroschenkos-wahlniederlagen-2019_4989" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Armut und Korruption</a>&nbsp;zerfressenes Land, der Territorialkonflikt im Osten bleibt ungelöst. Alle Versuche der EU, die Oligarchen- und Vetternwirtschaft zu durchbrechen, sind krachend gescheitert.<br>Den ersehnten politischen und wirtschaftlichen Anschluss an die EU hat Kiew nie gefunden, die historischen Bande zu Russland indes gekappt: Der Handel mit dem östlichen Nachbarn ist von 38 Milliarden US-Dollar in 2013, dem Jahr vor dem Maidan-Aufstand, auf 11,7 Milliarden US-Dollar eingebrochen. Die einst 44 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen mit der EU wurden nie mehr erreicht. Die Ukraine hat heute vor allem ein Exportgut:&nbsp;<a href="https://ukraine-nachrichten.de/export-ukrainischer-gastarbeiter-nach-europa_5041" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Arbeitsmigranten</a>&nbsp;für die EU, Frauen bleibt die&nbsp;<a href="https://ukraine-nachrichten.de/kinder-export-ukrainerinnen-werden-brutmaschinen-ausl%C3%A4nder_4770" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Perspektive als &#8222;Gebärmaschinen&#8220; für kinderlose westliche Paare</a>. Der zaghafte Aufschwung fußt vor allem in der Etablierung des Landes als&nbsp;<a href="https://ukraine-nachrichten.de/made-ukraine-wahre-preis-europ%C3%A4ische-markenkleidung_4683" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verlängerte Werkbank</a>&nbsp;im erweiterten Euro-Wirtschaftsraum, etwa bei der Produktion von Kabelbäumen für die EU-Autoindustrie oder der Textilfertigung. Die Armut könnte, so die&nbsp;<a href="https://112.international/society/poverty-level-in-ukraine-may-exceed-50-percent-due-to-covid-19-pandemic-unicef-51425.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Prognose</a>&nbsp;des UN-Kinderhilfswerks Unicef, die 50-Prozent-Marke durchbrechen.</p>



<p><strong>Beispiel Georgien<br></strong>Das Versprechen von Wohlstand und Aufschwung hat sich mit der Zuwendung zum Westen auch hier nicht erfüllt. Seit dem Ende der Sowjetunion durchlebte das Land zwei Kriege und eine&nbsp;<a href="https://www.georgianjournal.ge/business/35364-photos-describing-life-of-the-poorest-in-georgia.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">andauernde wirtschaftliche Stagnation</a>. Zwischen 1995 und 1997 stieg das Produktionsvolumen auf etwa 30 Prozent des Niveaus zu Sowjetzeiten. Heute liegt die&nbsp;<a href="https://www.statista.com/statistics/205453/poverty-rate-in-georgia/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Armutsrate</a>&nbsp;trotz leichter Verbesserung immer noch bei gut 14 Prozent, gut&nbsp;<a href="https://agenda.ge/en/news/2020/1685" target="_blank" rel="noreferrer noopener">19 Prozent leben &#8211; vor allem auf dem Land &#8211; in extremer Armut</a>. Wie&nbsp;<a href="https://www.srf.ch/sendungen/international/georgiens-armut-bremst-das-wachstum" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wenig nachhaltig</a>&nbsp;die Wirtschaft ist, zeigt sich in der Corona-Krise, die das Land mit dem Zusammenbruch des Tourismus hart getroffen hat. Die&nbsp;<a href="https://oc-media.org/georgia-scores-worst-in-south-caucasus-in-global-hunger-index/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nahrungsmittelversorgung ist nach wie vor nicht gelöst</a>. Kein Wunder, dass die georgische Autorin Iunona Guruli eine&nbsp;<a href="https://www.n-tv.de/leute/buecher/Georgiens-duestere-Seite-article20664648.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">düstere literarische Bilanz</a>&nbsp;zieht.</p>



<p><strong>Kein gesamteuropäisches Haus<br></strong>Die Liste ließe sich fortsetzen. Auch das uns nahe Wirtschaftswunderland Polen&nbsp;<a href="https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/das-erfolgsversprechen-gegen-die-polnische-armut-li.4845" target="_blank" rel="noreferrer noopener">kämpft mit den Schattenseiten der Neoliberalisierung</a>&nbsp;im Zuge der Eingliederung in die EU-Wirtschaftsordnung.<br>Ein&nbsp;<a href="https://www.rosalux.de/fileadmin/images/Dossiers/30_Jahre_89/Chronik_Wende/ND-1989-07-07.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;gesamteuropäisches Haus&#8220;</a>&nbsp;aber, wie es Michail Gorbatschow noch 1989 vor dem Europarat skizzierte, ist nie errichtet worden. Und auch Belarus droht im neuen Kalten Krieg zwischen Russland und den Nato-Staaten zerrieben zu werden. Dabei hätte das Land die Chance, eine gesamteuropäische Perspektive im Gorbatschowschen Sinne zu finden. Ob Oppositionsführerin Tichanowskaja dazu willens ist?</p>
]]></html></oembed>